Vielfalt Leben in Thüringen

Aktuelle Projekte von Vielfalt Leben in Thüringen

Video: Zwei Thüringer Landratsämter gehen neue Wege

Die Landratsämter Altenburger Land und Ilm-Kreis haben sich Ende 2020 dafür entschieden, interkulturelle Öffnungsprozesse zur Vielfaltsgestaltung durch das Projektteam “Vielfalt Leben” begleiten und evaluieren zu lassen. Der Prozess wird nicht nur migrationsspezifisch betrachtet, sondern nimmt Vielfalt allgemein in den Blick. Nicht nur migrationsrelevante Ämter sind beteiligt, sondern die gesamte Einrichtung. Die ersten Ergebnisse (Dialogveranstaltungen, Steuerungsgruppen-Treffen) zeigen, dass interkulturelle Öffnungsprozesse nicht nur notwendig und zukunftsweisend, sondern – selbst unter erschwerten Pandemiebedingungen – auch möglich sind.

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Vielfalt Leben im Altenburger Land

Im Mai 2021 fand als Auftakt im Landratsamt eine digitale Dialogveranstaltung „Vielfalt Leben.“ unter dem Motto „Die Vielfalt im Landratsamt zukunftsfähig gestalten“ statt. Dabei konnten sich alle Mitarbeitenden aktiv mit ihren Wünschen und Vorstellungen einbringen. Aus der Auftaktveranstaltung gründete sich eine Arbeitsgruppe. Dort wurden die erarbeiteten Punkte aufgegriffen und Maßnahmen davon abgeleitet.

In der Arbeitsgruppe wurden als Schwerpunktfelder für das Leitbild zur Bearbeitung festgelegt: Bürgerfreundliche Verwaltung, Landratsamt als guter Arbeitgeber, modernes digitales Arbeitsumfeld, flexible und offene Arbeitskultur, Wissensmanagement, Weiterbildung, Wertschätzendes Miteinander und transparente Kommunikation. Als Querschnittsthemen, die sich in allen Feldern wiederfinden sollen, wurden genannt: Vielfalt, Beteiligung, Nachhaltigkeit und Gesundheit.

Neben der Leitbildentwicklung ist es wichtig, handfeste Maßnahmen durchzuführen. Im Zuge der Projekts wurden neben der Betreuung der AGs jeweils Workshops bis Ende dieses Jahres durchgeführt. Zwei dieser Workshops richteten sich an Führungskräfte und Mitarbeitende und wurden anhand der geäußerten Bedarfe in den Treffen der Arbeitsgruppe konzipiert.

„Nach dem gelungenen Auftakt mit der Dialog-Veranstaltung „Vielfalt Leben“ [im Mai 2021], mit der wir gemeinsam gezeigt haben, dass auch im digitalen Format eine Aktivierung gelingen kann, gab es aus vielen Fachbereichen unseres Hauses die Rückmeldung der Mitarbeitenden, die sich erfreut gezeigt haben, dass dieser breit angelegte Kommunikations- und Veränderungsprozess gestartet wurde. Die Möglichkeit sich an strategischen Fragen, wie der Leitbildweiterentwicklung zu beteiligen, wurde sehr positiv aufgenommen. Es ist uns mit Ihrer [Projektteam „Vielfalt Leben“] professionellen Begleitung gelungen, diese Dynamik in die entstandene Arbeitsgruppe „Vielfalt leben“ mitzunehmen.“

Matthias Bergmann
Vize-Landrat im Altenburger Land

Vielfalt Leben
Steckbrief Altenburger Land

Mit ca. 600 Mitarbeitenden verwaltet das Landratsamt Altenburger Land den Landkreis Altenburger Land mit seinen 88.000 Einwohner:innen. Die Zahl der Einwohner:innen ist im Landkreis in diesem Zeitraum um ein Drittel (33,7 Prozent) zurückgegangen. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung im Landkreis immer älter wird. Lag der Altenquotient – also die Zahl der Senior:innen auf 100 Personen von 15 bis unter 65 Jahren – 2017 bei 51, gehen die Prognosen für das Jahr 2030 von einem Quotienten von 71 aus.

Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der wirtschafltichen Lage im Altenburger Land ist hoch. Dies lässt sich unter Anderem dem Prozentsatz der Menschen, die relative Deprivation empfunden haben, ablesen. Dieser lag im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2017 bei etwas über 60 Prozent. Neben dieser allgemeinen Unzufriedenheit war auch die Zustimmung zu abwertenden gruppenbezogenen Aussagen überdurchschnittlich hoch: abwertende Einstellungen gegenüber Zugewanderten liegen bei 64 Prozent, gegenüber Langzeitarbeitslosen bei 59 Prozent.

Vielfalt Leben
Steckbrief Ilm-Kreis

Das Landratsamt Ilm-Kreis ist mit ca. 600 Mitarbeitenden zuständig für die Anliegen von rund 106.000 Bürger:innen im Landkreis Ilm-Kreis. Die Bevölkerungszahl im Landkreis folgt dem thüringenweiten Trend und schrumpft. Lebten 1989 noch 132.337 Menschen vor Ort, sind es im Jahr 2020 nur noch 105.606 Menschen. Die Einwohner:innenzahl ist also um 20,2 Prozent zurückgegangen.

Hinzu kommt, dass die Bevölkerung im Landkreis immer älter wird. Lag der Altenquotient 2017 bei 41, gehen die Prognosen für das Jahr 2030 von einem Quotienten von 54 aus, damit noch unter dem erwarteten Entwicklung für Thüringen.

Der relative Deprivationswert liegt in den Jahren 2010 – 2017 in der Bevölkerung zwischen 50 und 55 Prozent. Auch die Zustimmung zu abwertenden Aussagen lag gegenüber Zugewanderten bei 55 Prozent und gegenüber Langzeitarbeitslosen bei 63 Prozent über dem landesweiten Durchschnitt.

Vielfalt Leben im Ilm-Kreis

Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt konnten erste Themenbausteine für eine diversitätsorientierte Veränderungsstrategie im Landratsamt Ilm-Kreis gesammelt werden. Im Anschluss daran gründete sich auch hier eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mitarbeitenden unterschiedlicher Ämter und Hierarchiestufen des Landratsamtes, um eine Vision für das Landratsamt zu formulieren und die Vielzahl der in der Zukunftswerkstatt erarbeiteten Themenbausteine zu clustern und im weiteren Verlauf des Projektjahres 2021 in eine Gesamtstrategie inkl. konkreter Maßnahmenableitung zu überführen.

Dabei wurden die Themen in Global- und Querschnittsthemen aufgeteilt: bürgerfreundliche Verwaltung; Landratsamt als attraktiver Arbeitgeber und Unternehmenskultur sowie die Querschnittsthemen: Weiterbildung, Vielfalt, Nachhaltig und Klimafreundlich mit dem Ziel die Zukunftsfähigkeit der Verwaltung zu stärken. Das Projekt gab auch den Anstoß, die lang aufgeschobene Mitarbeiter:innenbefragung durchzuführen.

„Das Ziel, das meine Kolleg:innen und ich ganz am Anfang fokussiert haben: Ein bürgernaher / bürgerfreundlicher Dienstleister zu werden. Nach innen zufriedene Mitarbeiter:innen, die sich gehört fühlen und die ihre Ideen mit einfließen lassen können. Und nach außen Bürger:innen aus unterschiedlichen Milieus, die sich wertgeschätzt gehört und dort abgeholt fühlen, wo sie gerade stehen, egal ob das Migrant:innen oder Menschen mit Beeinträchtigung sind.“

Daniela Mückenheim
Beauftragte für Ausländer und Behinderte des Ilm-Kreises

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